Dolomiten 2025,

oder auch genannt, die vorerst letzte Motorradtour von Tourendeddy.


Wir schreiben den 6. September 2025. Eigentlich hatte ich gar nicht vor, in die Dolomiten zu fahren, weil es dort Tourismusmäßig sehr überlaufen ist. Aber nachdem mich Walter und Jokey stark bearbeitet haben, habe ich dann doch zugesagt.

Roger, ein weiterer Mitfahrer, wartet schon auf mich am Parkplatz in Schwerte Ergste, wo unsere Tour beginnen soll. Heute sind insgesamt 400 km angesagt. Die Tour wird uns führen durch das Rothaargebirge, den Schottenring und den Odenwald bis nach Karbach, kurz vor Würzburg. Dort werden wir unsere erste Übernachtung durchführen. An diesem Tag wird an dieser Pension „Landgasthof Engelhard“ ein Hoffest durchgeführt, an dem wir teilnehmen.

Der nächste Tag wird uns durch die Fränkische Alb und Allgäu bis nach Lechbruck am See führen. 371 km durch schöne Landschaften. Unser heutige Unterkunft ist die Pension Hirsch. Kurz frisch gemacht und dann mal Lechbruck am See erkundet.

Von Lechbruck aus ging es nun ab in die Berge. Zuerst aber bestaunten wir das Schloss Neuschwanstein am Forgensee, bevor es über den Fernpass und dem Ötztal zum Timmelsjoch ging. Anschliessend über den Jaufenpass Richtung Brixon fuhren wir zum Endziel Ziano di Fiemme zu unsere Unterkunft iHotel Al Polo. Dieses Hotel entpuppte sich schnell als Glücksgriff. Super leckere Vier-Gänge-Menüs, ein riesiges Frühstücksbüffet und ein Wellnessbereich ließen uns den Aufenthalt versüßen. 

Bisher hatten wir gutes Wetter, aber das sollte sich kurzfristig ändern. Der erste Fahrtag sollte im Wechsel mit Regen und Sonne verlaufen. Wir nahmen uns vor die Sellajochrunde zu fahren. Zuerst mussten wir aber uns in den Berufs-und Tourismusverkehr auf der SS48 bis nach Canazai einordnen. Dies war schon sehr nervig. Erst danach begann der wahre Fahrspass. Erstmal zum Passo Pordoi dann zurück zum Grödner Joch und Sella Joch. Der Passo Sella zählt zu den bekanntesten Pässen der Dolomiten, Teil der berühmten Sellaronda, und er macht von der ersten Kehre an klar, warum: 32 Serpentinen winden sich auf gut 2.248 Metern zwischen Langkofel und Sellastock hindurch, mit jeder Kurve wird der Blick weiter und die Luft dünner. Oben angekommen ist erstmal Schluss mit Kurbeln – wir stehen eine Viertelstunde lang zwischen Bussen, Radfahrern und anderen Bikern und gönnen uns einen Kaffee mit Aussicht. Der Sellastock im Rücken, der schroffe Langkofel (Sassolungo) direkt vor der Nase: das ist einer dieser Momente, für die man überhaupt erst aufs Motorrad steigt.

Die Abfahrt Richtung Gröden ist die Belohnung für den Aufstieg. In Wolkenstein (Selva) und St. Ulrich (Ortisei) ist man mitten in Ladinien: Hier wird noch eine eigene Sprache gesprochen, und die Schaufenster sind voll mit Holzschnitzkunst, für die das Tal seit Generationen berühmt ist. Weiter geht es bergab bis nach Waidbruck, dem tiefsten Punkt dieses Abschnitts auf gerade einmal 552 Metern – von der Passhöhe bis ins Eisacktal sind das reichlich 1.700 Höhenmeter Abfahrt am Stück, gut für die Bremsbeläge, noch besser fürs Panorama. Von Waidbruck aus dreht die Route wieder bergauf, über Kastelruth zur Seiser Alm. Mit rund 52 Quadratkilometern ist sie die größte Hochalm Europas, ein sanft gewelltes Almenmeer, über dem Schlern und Rosengarten (Catinaccio) aufragen wie Kulissen. Fast eine Stunde bleiben wir hier oben stehen – so lange braucht es eben, wenn man sich an einer Aussicht wirklich sattsehen will. Erst danach geht es weiter hinunter Richtung Völs am Schlern, vorbei am tiefsten Punkt des ganzen Tages: gerade einmal 323 Meter über dem Meer, mitten im Grünen des Etschtal-Rands.Der zweite Teil der Tour führt durch das stille Hügelland südlich des Schlern, mit Blick zurück auf die Bergkette, die man gerade erst verlassen hat. Auf gut 1.400 Metern gönnen wir uns die längste Pause des Tages – fast eine Dreiviertelstunde in einer Berggaststube, mit Aussicht . Weiter geht es über den Passo San Lugano, mit 1.097 Metern der unauffälligste Pass des Tages, aber mit der längsten Geschichte: Schon seit dem Jahr 1230 ist er als Übergang zwischen Etschtal und Fleimstal belegt. Über Cavalese, das Hauptstädtchen des Fleimstals, geht es zurück in Richtung Ziano di Fiemme. Für den späten Nachmittag bleibt noch genug Zeit für einen Abstecher, der sich lohnt: von Predazzo aus hinauf zum Passo Rolle. Auf 1.972 Metern öffnet sich der Blick auf die Pale di San Martino, und mittendrin ragt der Cimon della Pala auf – wegen seiner Form gerne das „Matterhorn der Dolomiten“ genannt. Wir drehen an der Passhöhe um und lassen den Motor die letzten Kilometer zurück nach Ziano di Fiemme ausrollen. Um halb fünf am Nachmittag stehen wir wieder vor dem Hotel Al Polo – Kilometerstand und Beine sagen dasselbe: das war ein voller Tag.

Leider beginnt der nächste Tag mit Stark Regen so das wie entscheiden einen Ruhetag einzulegen. Glücklicherweise besitzt unser Hotel einen Wellnessbereich und dieser wird ausgiebig benutzt. Sauna, Schwimmbad und Solarium begleitet mit leckern Bierchen. So lässt es sich aushalten. Den Tag beenden wir noch mit einen leckeren Viergänge Menü. 

Die Sonne lacht und kurz nach halb zehn geht es los, über Predazzo und Moena ins Fassatal und von dort direkt bergauf zum Passo San Pellegrino. Mit 1.918 Metern ist er der Türöffner für einen ganzen Reigen an Pässen, die hier auf engstem Raum zusammenliegen. Kaum ist man oben, geht es schon wieder hinunter Richtung Falcade – nur um gleich darauf erneut zu klettern, dieses Mal zum Passo di Valles auf 2.032 Metern. Zwei Pässe in einer knappen Viertelstunde Fahrzeit, dazwischen kaum genug Zeit, den Helm abzusetzen. Wer die Dolomiten nur von der Sellaronda kennt, ahnt hier, wie viele solcher Kombinationen sich in dieser Landschaft noch verstecken. Über eine einsame Verbindungsstraße geht es weiter zum Passo Rolle, 1.972 Meter, mit Blick auf die Zacken der Pale di San Martino. Vor zwei Tagen sind wir hier schon einmal gewesen – allerdings von der anderen Seite und nur bis zur Passhöhe, dann ging es wieder zurück nach Ziano di Fiemme. Diesmal drehen wir nicht um: Die Abfahrt führt weiter hinunter nach San Martino di Castrozza, dem bekannten Bergsteigerdorf, das sich unter der senkrechten Wand des Cimon della Pala duckt. Wenig später erreichen wir Fiera di Primiero, das historische Handelsstädtchen des Primierotals – hier ist auf gut 700 Metern erstmal wieder milde Talluft angesagt, nach zwei Pässen und einem Gipfel am Stück eine willkommene Verschnaufpause.Von Primiero aus dreht die Route weiter nach Südwesten, durch das ruhige Vanoital hinauf zum Passo di Brocon. Mit 1.615 Metern ist er der bescheidenste der fünf Pässe – und zugleich einer der schönsten, weil hier kaum Verkehr ist: keine Reisebusse, keine Blechlawine wie am Sellajoch, dafür Blick auf die Gipfel der Lagorai-Kette und den Cima d'Asta. Oben an der Passhöhe gönnen wir uns die längste Pause des Tages, bei einem Kaffee auf der Sonnenterrasse der Berghütte. Was folgt, ist die Kehrseite jeder Passfahrt in den Dolomiten: eine lange, lange Abfahrt. Und diese Abfahrt hat es in sich. Über Castello Tesino und das Hochplateau des Tesino geht es immer weiter hinunter, durch Kastanienwälder und schließlich hinein ins Val Cismon – bis der Tageslogbuch bei gerade einmal 277 Metern über dem Meer den tiefsten Punkt der gesamten Tour vermeldet. Von der Schneegrenze bis in die Weinberge und Kastanienhaine der Talsohle: Innerhalb weniger Stunden zeigen die Dolomiten hier ihr ganzes Spektrum. Lange bleibt aber keine Zeit zum Verschnaufen, denn was hinuntergeht, muss auch wieder hinauf. Der letzte und mit 2.042 Metern höchste Pass des Tages ist zugleich der einsamste: der Passo Manghen, der höchste asphaltierte Übergang der Lagorai-Berge. Über rund 40 Kilometer und mehr als 20 Kehren zieht sich die Auffahrt von der Valsugana-Seite bis zur Passhöhe, weit weg vom Trubel der bekannten Dolomitenpässe, dafür mit dem guten Gefühl, eine echte Perle gefunden zu haben. Von oben geht es durch das Val Cadino zurück ins Fleimstal, vorbei an Molina di Fiemme und Panchià. Kurz vor fünf Uhr nachmittags rollen wir wieder auf den Parkplatz vor dem Hotel Al Polo – müde Hände, ein sehr zufriedenes Grinsen, und ein Tagebucheintrag, der so schnell keinen Vergleich fürchten muss.Nach drei Nächten im Hotel Al Polo heißt es heute: Koffer packen, Zimmer räumen, ein letzter Blick zurück auf die Latemar-Zacken. 

Nach der Sellaronda-Runde und dem Fünf-Pässe-Tag durch den Lagorai ist heute kein Rundkurs mehr angesagt, sondern eine echte Etappe – von Ziano di Fiemme geht es weit nach Westen, über drei der großen Alpenpässe Norditaliens bis hinüber nach Tirol. Am Ende des Tages liegen 276 Kilometer und mehr als 5.700 Höhenmeter hinter uns, dazu ein Abstecher in ein drittes Land. Über Cavalese geht es zunächst hinunter aus dem Fleimstal, bei Salorno erreichen wir mit 206 Metern den tiefsten Punkt des Tages – mitten im Obst- und Weinbaugebiet des Etschtals, dort, wo es nach Apfelplantagen statt nach Bergluft riecht. Dann dreht die Route wieder nach Westen, durchs Nonstal hinauf zum Passo del Tonale. Mit 1.884 Metern ist er weniger ein Pass als ein breiter, freundlicher Sattel mitten im Skigebiet – der ideale Warmfahrpass, bevor es richtig zur Sache geht. Und richtig zur Sache geht es hinter Ponte di Legno: Der Passo di Gavia ist schmal, launisch und mit 2.618 Metern der höchste Punkt der gesamten Dolomiten-Reise. Vorbei am pechschwarzen Lago Nero schraubt sich die Straße in engen Kehren nach oben, streckenweise kaum breiter als eine Fahrspur. Oben bleiben wir ein paar Minuten stehen, mehr aus Respekt als aus Lust – die Luft ist dünn, der Blick auf die umliegenden Dreitausender dafür umso weiter. Die Abfahrt nach Bormio zieht sich lang und verlangt konzentration. In Bormio biegt die Route auf die Stilfserjoch-Straße, doch statt der berühmten 48 Kehren zum italienischen Pass-Gipfel nehmen wir die Abzweigung zum Umbrailpass. Mit 2.503 Metern ist er der höchste Alpenpass der Schweiz – und tatsächlich überqueren wir hier für ein paar Kilometer die Grenze: hinunter durchs Val Müstair, vorbei an Santa Maria und dem Klosterdorf Müstair, bis wir bei Tubre wieder italienischen Boden unter den Rädern haben. Ein kurzer, aber echter Grenzübertritt – Schweizer Frankenscheine haben wir zum Glück nicht gebraucht, dafür ein paar Kilometer Fahrbahn, die anders klingen als alles zuvor. Über Mals geht es durch den Vinschgau hinauf zum Reschenpass. Auf 1.507 Metern liegt hier der Reschensee, eines der bekanntesten Postkartenmotive Südtirols: Als der Stausee 1950 geflutet wurde, versanken die Dörfer Graun und Reschen fast vollständig im Wasser – nur der Kirchturm der alten Pfarrkirche St. Katharina aus dem 14. Jahrhundert blieb bewusst stehen und ragt bis heute mitten aus dem See. Wir halten kurz an, das Motiv kennt man aus jedem Reiseführer, und trotzdem wirkt es in echt eigenartig anrührend. Von Reschen ist es nur noch ein Katzensprung über die Grenze nach Österreich: Nauders, dann hinunter ins Oberinntal. Kurz vor fünf Uhr am Nachmittag erreichen wir Tösens. Die Pension Tyrol fahren wir schon seit Jahren an. Die Pensionsbesitzerin erwartet uns mit ihren Selbstgebraten Obstler. 

Am nächsten Morgen geht es nun am Bodensee entlang Richtung Südschwarzwald zu unser Liebingspension Haus Hotzenwald um dort noch eine Woche zu verbringen.


Gefahrene Pässe:

Fernpass, Passo Rombo, Timmelsjoch, Jaufenpass, Passo di Laveze, Passo Pramadicico, Passo Rolle, Sellajoch, Gaviapass, Umbrail, StilfserJoch, Passo San Pellegrino, Passo Valles, Passo della Gobera, Passo Broncon, Passo di Monte Agaro, Passo Forcella, Passo Manghen, Passo San Lugano, Passo Pinei, Passo del Tonale, Reschenpass, Norbertshöhe, Pillerhöhe, Albergbpass, Flexenpass, Hochtannenbergpass,